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Ausflug zu den „Krautstreifen“ – Besichtigung der Flurneuordnung in Bernhardsthal

Was sind die unscheinbaren Krautstreifen? Warum ist jeder Streifen von unterschiedlichen Pflanzen besiedelt? Warum sind diese ‚Zwischenräume‘ so wichtig für die Vielfalt nicht nur bei Pflanzen, sondern auch Insekten, kleinen Nagern und sogar größeren Säugetieren?

Die Gemeinschaft der Bernhardsthaler Landwirte zur Zusammenlegung („Kommassierung„) von Äckern in und um die Gemeinde wurde für die Einrichtung der „Krautstreifen“ zwischen den bis zum Horizont reichenden Acker mit einem Preis der niederösterreichischen Initiative „17 und wir“ ausgezeichnet.
Es ging um ein großes wie auch großzügiges Vorhaben, das die Agrarbehörde im Bezirk Mistelbach, die Zusammenarbeits-Gemeinschaft der Bauern (Grundeigentümer und Pächter) und externe Berater eng verzahnt auf den Weg gebracht haben.

Überblick zur „Flurneuordnung“
Die Kulturlandschaft um Bernhardsthal ist vor allem durch die Vielfalt an landwirtschaftlicher Nutzung im Lauf der Jahrhunderte entstanden: Intensive Nutzung auf den guten Böden, Wiesen auf den Feuchtstandorten, sowie Bracheflächen auf den trockenen Extremstandorten. Diese weitläufige Offenlandschaft – begrenzt durch trockene Schwarzföhrenwälder im Norden und Auwälder im Osten – macht die Besonderheit der Bernhardsthaler Ebene aus und große Teile sind als Europaschutzgebiet (Natura2000) ausgewiesen.
Eine Grundzusammenlegung für die Fluren in Bernhardsthal war immer wieder Thema – ernsthafte Gespräche gab es dann wieder ab 2007. Ein Zusammenlegungsverfahren ist ein mehrstufiges Verfahren, dauert mehrere Jahre und muss von einer Mehrzahl der Grundeigentümer beantragt werden.
Die fachliche Durchführung obliegt der NÖ Agrarbezirksbehörde. Zu Beginn wurden alle agrartechnisch und naturschutzfachlich notwendigen Maßnahmen erarbeitet, um sicherzustellen, dass das Verfahren positiv abgeschlossen werden kann. Die Gesamtplanung mit allen Maßnahmen (Wegebau, ökologische Ausgleichsflächen, …) und Kosten wurden den Bewirtschaftern und Grundeigentümern vorgestellt und 2008 das Verfahren begonnen.
Die Übergabe der neuen, besser bewirtschaftbaren Grundstücke  mit sicheren Grenzen erfolgte im Herbst 2014 – nun erst konnten die ökologischen Ausgleichsflächen (Landschaftselemente wie Wildblumenstreifen, Hecken, Einzelbäume und vieles mehr) verwirklicht werden. Die Planungskriterien waren hier: Ein Verschlechterungsverbot für die unter Schutz stehenden Arten und Lebensräume, bestehende Landschaftselemente erhalten und in neue Grünanlagen integrieren.

Grünanlagen – Krautstreifen – Blumen für die Landschaft:
Im Herbst 2015 wurde begonnen, die neuen Landschaftselemente in der Natur zu etablieren: die Pflanzung von Baumreihen, Obstbaumgruppen, Hecken, und vor allem die Aussaat von Wildkrautstreifen. Diese Streifen sind hier das Besondere – in vielfacher Hinsicht: sie verteilen sich über die ganze Feldflur, sie werden mit dauerhafter Wildblumenmischung besämt, brauchen keine Pflege und sind vielfältige Lebensräume für viele Pflanzen- und Tierarten.
Die Verteilung und Ausgestaltung der Grünanlagen in dieser Art – eben zum Großteil als Wildblumenstreifen – war das Ergebnis eines intensiven Planungsprozesses. Alle Ausgleichsflächen zusammen sollen das Überleben aller im Gebiet geschützten Arten (hier vor allem Greifvögel) gewährleisten.
Zwei Prozent Grünanlagen bei einer Verfahrensfläche von über 2200 ha ergibt in Summe eine Fläche von 43 ha, die als Ausgleichfläche im Verfahren angeordnet wurden.
Das Land Niederösterreich unterstützte das Vorhaben über die Agrarbezirksbehörde und Elfriede Rath. Seitens der Bauerngemeinschaft half Rudolf Bohrn als Obmann bei der Abstimmung. Externe Expertise und Beratung steuerte der Landschaftsplaner Thomas Zuna-Kratky bei.

„17 und wir“
Im Sommer 2018 haben sich die meisten Krautstreifen wunderschön entwickelt: Königskerzen, Herzgespann und Natternkopf blühen üppig, ziehen viele Bestäuber an, das Motto Blumen für die Landschaft wird Wirklichkeit. Ein Jahr davor im Juni 2017 gab es auf Initiative der Gemeinde eine Radtour des Dorferneuerungsvereines – damals die ersten Eindrücke der neuen Landschaftselemente.
Da sich die Wildkrautstreifen sehr gut entwickeln, reichte die Zusammenlegungsgemeinschaft im Winter 2018 unter dem Titel „Wildblumen für die Landschaft – als Teil der „Grünen Infrastruktur“ für die Agrarlandschaft um Bernhardsthal in NÖ im Weinviertel“ bei einer Ausschreibung 17undwir – Klimabündnis NÖ ein. Die Preisverleihung fand am 21. September 2019 im Rahmen einer „Wildblumen-Radtour“ beim Wanda Kreuz statt.

Zur offiziellen Erkundung bei der „Wildblumen-Radtour“ und der Preisverleihung beim Wanda Kreuz zwischen Bernhardsthal und Altlichtenwarth kamen Bürgermeisterin Doris Kellner, Vertreter der Landesbehörden sowie der Präsident des NÖ Landtages, Karl Wilfing.
Besonders wichtig: Die Einrichtung der „Krautstreifen“ ist keine einmalige Aktion. Vielmehr sollen dauerhaft Schutzräume für Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren entstehen.
Die weitere Entwicklung dieser Initiative lässt sich deshalb auch dieses Jahr erkunden, am besten wohl mit dem Fahrrad. Mehr zu diesen Touren in der „Wein4tlerin„.